Skandalogie: Interdisziplinäre Forschung über Skandale

23.06.2018

Prof. Dr. Steffen Burkhardt beschreibt den aktuellen Wissensstand der kommunikationswissenschaftlichen Skandalforschung in dem englischsprachigen Buch "Scandalogy: An Interdisciplinary Field". Der von Dr. Martin Haller, Hendrik Michael und Martin Kraus herausgegebene Sammelband führt in die Vielzahl der Fächer ein, die sich mit dem sozialen Phänomen des Skandals beschäftigen.
In seinem Beitrag "Scandals in the Network Society" analysiert Burkhardt, wie Skandale sich unter dem Einfluss der Digitalisierung in den vernetzten Öffentlichkeiten der Informationsgesellschaft verändert haben. Er erläutert dabei auch die zentralen Unterschiede zwischen Skandalen und Medienskandalen und gibt einen Überblick über zentrale Forschungsfelder aus kommunikationswissenschaftlicher Persepektive.
Wer sich für gute Kommunikation im Fall von Krisen und Skandalen interessiert, sollte sich diesen Sammelband nicht entgehen lassen, der im Kölner Herbert von Halem Verlag erschienen ist. Er vereint Beiträge internationaler Forscherinnen und Forscher zum Themenfeld ›Skandal‹. Er präsentiert sowohl empirische Studien als auch theoretische Erkenntnisse, die bei der 1st International Conference in Scandalogy an der Universität Bamberg präsentiert wurden. Die Bandbreite reicht von kommunikationswissenschaftlichen Studien bis hin zu literaturwissenschaftlichen Analysen. Die Vielzahl der Fächer, die sich mit dem sozialen Phänomen des Skandals beschäftigen, zeigt, dass ›Skandalogie‹ ein eigenständiger Forschungsbereich ist
Die Enthüllung der Panama Papers im April 2016 machte erneut deutlich, welche globale Wirkmacht Skandale entfalten können. Skandale bringen Politiker zu Fall, stürzen Wirtschaftslenker und beenden Sportkarrieren. Sie kommen in jedem gesellschaftlichen Feld vor, führen zu enormer medialer Berichterstattung und zu einer lebhaften öffentlichen Diskussion über Werte und Normen – sie sind ein soziales Phänomen.
Als solches stellen Skandale sehr häufig auch einen Forschungsgegenstand unterschiedlicher Wissenschaften dar: Politikwissenschaftler analysieren zum Beispiel die Funktionsfähigkeit von politischen Regeln und Institutionen, die Kommunikationswissenschaft untersucht mögliche Wirkungen von Skandalberichterstattung und den Verlauf von Affären in unterschiedlichen Medien, in der Literaturwissenschaft werden Skandalautoren und ihr öffentliches Verhalten thematisiert, die Soziologie blickt auf den Geltungsbereich gesellschaftlicher Werte und Normen, die sich durch Skandaldiskurse verändern können.
Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Verlagsseite von Herbert von Halem.
Skandalogie // Interdisziplinäre Forschung über Skandale