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The Media Phenomenon Trump – An Analysis of Reporting about the 2016 U.S. Presidential Election

09.11.2016

By Bastian Kießling

The following article is currently only available in German. The IMC is working on an English version that should be available within the next few weeks. Thank you for your understanding: Der Ausgang der US-Wahl zum 45. amerikanischen Präsidenten hat die Frage aufgeworfen, ob die Medien mitverantwortlich für Donald Trumps Wahlerfolg sind. Ein Forscherteam des International Media Centers (IMC) der HAW Hamburg hat diesbezüglich den Wahlkampfverlauf in einflussreichen deutschen und US-Medien analysiert. Anhand einer Analyse von knapp 10.000 Artikeln zeigen die wissenschaftlichen Mitarbeiter Bastian Kießling und Jan Schacht auf, wie mithilfe von einer Schwerpunktsetzung auf den Kandidaten Donald Trump, die öffentliche Meinung im Wahlkampf beeinflusst wurde.

Das Mediensample zur Untersuchung

Die vorliegende Inhaltsanalyse basiert nach der Bereinigung des Datensatzes auf 9.198 Artikeln, die im Zeitraum zwischen dem 25. September (00:00 Uhr) und 09. November 2016 (11:00 Uhr) erhoben wurden. Somit erstreckt sich der Untersuchungszeitraum von kurz vor der ersten Präsidentschaftsdebatte bis kurz nach der Schließung der letzten Wahllokale in Alaska, USA. Dabei wurden jene Artikel automatisiert erfasst, die sich mindestens auf einen der beiden Präsidentschaftskandidaten - Hillary Clinton oder Donald Trump - fokussierten. In Bezug auf die USA wurden Artikel von CNN, Fox News, NBC, The New York Times, The Wall Street Journal, The Washington Post und USA TODAY untersucht. Das deutsche Mediensample setzt sich aus der digitalen Berichterstattung von BILD, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), FOCUS, SPIEGEL ONLINE, STERN, WELT und ZEIT zusammen.

Veröffentlichte Artikel im Mediensample

Abbildung 1: Veröffentlichte Artikel im Mediensample

 

Als erstes Ergebnis zeigt sich, dass weitaus mehr Beiträge von US-Medien publiziert wurden, wobei auch in den deutschen Medien die US Wahl weit oben auf der Medienagenda stand. Durchschnittlich veröffentlichte jedes deutsche Medium aus dem gewählten Sample täglich fünf Artikel (n = 1.625) in Bezug auf Hillary Clinton oder Donald Trump. Demgegenüber stehen knapp 24 Artikel pro US-Medium (n = 7.573), wobei die Washington Post mit 3.361 Artikeln im Untersuchungszeitraum als klarer Ausreißer nach oben betrachtet werden muss.

 

Donald Trump im medialen Fokus

Als Ausgangspunkt soll jedoch die Frage betrachtet werden, ob sich die deutschen und US-Medien in der letzten Wahlkampfphase mehr auf Hillary Clinton oder Donald Trump fokussierten. Diesbezüglich wurden die erfassten Artikel, je nach Schwerpunkt, den beiden Kandidaten zugeordnet. Ließ sich kein wahrnehmbarer Fokus feststellen, wurden die Artikel als neutral gekennzeichnet. Diese sind in den folgenden Abbildungen grau hinterlegt.

Kandidaten-Fokus US-Medien

Abbildung 2: Kandidaten-Fokus in U.S.-Medien


Kandidaten-Fokus deutsche Medien

Abbildung 3: Kandidaten-Fokus in deutschen Medien

 

Sowohl die US- als auch deutschen Medien im Untersuchungssample haben eine klare Tendenz: Sie berichteten verstärkt über Donald Trump. Die Berichterstattung aller Medien im Sample hat einen klaren Schwerpunkt: 62% (US-Medien) bzw. 61% (deutsche Medien) der analysierten Artikel fokussieren sich auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump. Hillary Clinton steht dabei weitaus seltener im Mittelpunkt der Berichterstattung (US-Medien: 22%, deutsche Medien: 19%). Der News-Sender Fox News, der häufig mit einer positiven Haltung gegenüber den Republikanern in Verbindung gebracht wird, fokussierte sich im Verhältnis zu den anderen Medien-Angeboten vergleichsweise häufig auf Hillary Clinton (33%).

 

Clintons E-Mail-Affäre und Trumps Sexismus-Skandale

Die Gesamttendenz der Medienberichterstattung gilt es auch im Zeitverlauf zu betrachten. Bestimmte politische Ereignisse aber auch Äußerungen der Kandidaten selbst, wie Presse-Statements und Social Media Posts, haben starke Auswirkungen auf die Medien-Agenda zu Wahlkampfzeiten (Kiousis et al., 2015). Im etwas mehr als sechswöchigen Untersuchungszeitraum haben vor allem die drei TV-Duelle zwischen den Präsidentschaftskandidaten, die erneute Schwerpunktsetzung auf die E-Mail-Affäre um Hillary Clinton durch den Chef des FBI und Donald Trumps sexistisches Verhalten im Skandalvideo starke mediale Aufmerksamkeit erfahren.

Medienfokus im Zeitverlauf 

Abbildung 4: Medienfokus im Zeitverlauf

 

Abbildung 4 zeigt die Auswirkungen wichtiger Ereignisse des Wahlkampfs auf den Fokus der Medienberichterstattung. An dieser Stelle findet keine Unterscheidung zwischen deutschen und amerikanischen Medien statt. Die Darstellung beruht auf der Kumulation aller analysierten Artikel. Dabei zeigte sich, dass Donald Trump, mit Ausnahme einer kurzen Phase gegen Ende des Untersuchungszeitraums, im überwiegenden Fokus der Medien stand. Die Berichterstattung zu seiner Person stieg im Anschluss an das erste TV-Duell und erreichte den absoluten Höhepunkt wenige Tage nach Veröffentlichung eines Videos, indem sich Trump sexistisch und stark abwertend gegenüber Frauen äußerte. Das Video entstand bereits 2005 im Rahmen einer Unterhaltungssendung im US-Fernsehen und wurde am 7. Oktober von der US-Zeitung The Washington Post veröffentlicht. Zwischen dem zweiten und dritten TV-Duell schwankte der Fokus der Berichterstattung nur leicht. Starken Einfluss hatte hingegen die zuvor erwähnte Ankündigung des FBI-Chef James Comey am 28. Oktober, Ermittlungen im Zuge der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton wiederaufzunehmen. Mit Bekanntwerden des Wahlergebnisses am Morgen des 9. Novembers deutscher Zeit, zeigten die Daten erneut einen sprunghaften Anstieg des Medienfokus auf Donald Trump.

 

Inhalte der Berichterstattung zum US Wahlkampf

Ein Blick auf die Inhalte der analysierten Artikel zeigt den thematischen Schwerpunkt der Berichterstattung zum jeweiligen Präsidentschaftskandidaten. Abbildung 5 und 6 stellen die 25 häufigsten Wörter dar, die in den Artikeln zu Donald Trump oder Hillary Clinton unabhängig voneinander verwendet wurden. So genannte Stoppwörter (z.B: the, and, with) wurden für diese Analyse nicht berücksichtigt, da sie keine Relevanz für die Erfassung des Inhaltes besitzen. Ebenso wurden Verben aufgrund der benötigten Präzisierung der Ergebnisse entfernt. Je größer das jeweilige Wort dabei abgebildet ist, desto häufiger wurde es in den erfassten Artikeln erwähnt.

 Top 25 Wörter (Trump)

Abbildung 5: Top 25 Wörter (Trump)

 

Das Skandal-Video von Donald Trump lässt sich auch in der Wordcloud für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten wiederfinden. Daraus ist abzuleiten, dass dieses Ereignis ein starkes Medien-Echo hervorgerufen hat. Darüber hinaus wurde Trump am häufigsten im Zusammenhang mit seiner Wahlkampf-Kampagne, der Präsidentschaftsdebatte in den TV-Duellen und der republikanischen Partei im Allgemeinen erwähnt.


Top 25 Wörter (Clinton) 

Abbildung 6: Top 25 Wörter (Clinton)


Der geringere Größenunterschied zwischen den einzelnen Wörtern in Abbildung 6 lässt sich mit Blick auf Anzahl der Artikel und ihres jeweiligen Schwerpunktes erklären. Über Hillary Clinton wurde insgesamt weniger berichtet, weshalb die thematischen Unterschiede graphisch kleiner ausfallen. Aber auch hier zeigt sich, dass die E-Mail-Affäre um die demokratische Präsidentschaftskandidatin hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren hat. Die Wörter E-Mails, WikiLeaks, FBI und Comey lassen sich allesamt diesem Thema zuordnen. Zudem wurde über Hillary Clinton vor allem in ihrer politischen Position als Präsidentschaftskandidatin berichtet.

 

Insgesamt zeigen die Daten keine großen Abweichungen zwischen der deutschen und amerikanischen Berichterstattung im US Wahlkampf. Ein klarer Fokus auf Donald Trump konnte bei allen Medien im Untersuchungssample festgestellt werden. Bestimmte Ereignisse, wie die E-Mail Enthüllungen um Hillary Clinton und das Skandal-Video mit sexistischem Verhalten von Donald Trump haben neben der Verkündung des Wahlergebnisses besonders starken Einfluss auf die Medien-Agenda ausgeübt. Die Gewichtung von Themen in den Massenmedien wirkt sich auch auf die Rezipienten aus (McCombs & Shaw, 1972). Berichten die Medien demnach besonders häufig über Donald Trump, erfährt er auch in der Öffentlichkeit eine höhere Aufmerksamkeit. Vom Priming wird gesprochen, wenn sich diese vermittelten Informationen auf die Entscheidungen, wie z.B. das Wahlverhalten, der Medien-Konsumenten auswirken (Scheufele & Tewksbury, 2007). Somit ist es durchaus möglich, dass die gewichtete Berichterstattung Einfluss auf das Wahlverhalten genommen hat. Mit den erhobenen Daten lässt sich ein konkreter Wirkungszusammenhang allerdings weder ausschließen noch belegen, da eine Reihe weiterer Faktoren berücksichtig werden müssen. 

Der nächste Schritt der Datenauswertung, wird sich vor allem mit dem Sentiment der erfassten Artikel befassen. Dabei gilt es die Frage zu beantworten, ob bestimmte Medien einen Präsidentschaftskandidaten häufiger positiv hervorhuben und den politischen Gegner abwerteten oder aber eine neutrale Berichterstattung in der letzten Phase des US-Wahlkampfs dominierte. Aus den bisher erlangten Erkenntnissen lassen sich bereits eine Reihe von weiteren Forschungsfragen mit europäischen Fokus anknüpfen: Was bedeutet die Fokussierung auf populistische Inhalte für die Berichterstattung über Politiker wie Marine Le Pen, Geert Wilders oder Heinz-Christian Strache? Lassen sich hier ähnliche Tendenzen im Vergleich zur US-Wahl erkennen? Oder aber welchen Stellenwert nimmt hierzulande Frauke Petry oder die AfD im Gesamten auf der Medien-Agenda ein?


Literatur

Kiousis, S., Kim, J. Y., Ragas, M., Wheat, G., Kochhar, S., Svensson, E., & Miles, M. (2015). Exploring New Frontiers of Agenda Building During the 2012 US Presidential Election Pre-Convention Period. Journalism Studies, 16(3), 363–382. https://doi.org/10.1080/1461670X.2014.906930

McCombs, M. E., & Shaw, D. L. (1972). The Agenda-Setting Function of Mass Media. Public Opinion Quarterly, 36(2), 176. https://doi.org/10.1086/2679

Scheufele, D. A., & Tewksbury, D. (2007). Framing, Agenda Setting, and Priming: The Evolution of Three Media Effects Models. Journal of Communication, 57(1), 9–20. https://doi.org/10.1111/j.1460-2466.2006.00326.x


Titelbild: © IIP Photo Archive

Weitere Informationen zur Studie: kiessling(at)imch.eu / schacht(at)imch.eu

 

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